Wenn es um Rollstuhl und Schulterschmerzen geht, richtet sich der Blick oft auf das Antreiben der Räder. Im Laufe des Tages gibt es aber auch die Transfers ins Bett, in den Sessel und an andere Plätze. Manche davon sind unverzichtbar; andere hängen davon ab, wie die Aktivitäten organisiert sind.
Diese Transfers neu zu bewerten heißt nicht, auf Bewegung zu verzichten oder weniger selbstständig zu werden. Es heißt, sich zu fragen, wo die Arme arbeiten, zu welchem Zweck und mit welchen Schwierigkeiten. Schmerzen erfordern eine medizinische Abklärung: Den Tagesablauf zu beobachten hilft, sie zu beschreiben, klärt für sich genommen aber nicht ihre Ursache.
Kurz gesagt
Um zu erkennen, welche Transfers Sie neu bewerten sollten, achten Sie auf Ausgangspunkt, Ziel, Grund des Wechsels und Rückweg. Sprechen Sie Schmerzen, wiederholte Versuche und Aktivitäten an, auf die Sie inzwischen verzichten. Die Anzahl der Transfers ist kein Punktwert, den es um jeden Preis zu senken gilt: Es zählen auch die Anstrengung des einzelnen Wechsels und die Selbstständigkeit, die er ermöglicht. Ein Sessel kommt für die Beurteilung nur dann infrage, wenn er eine sinnvolle zusätzliche Aktivität ermöglicht und der Transfer angemessen ist; er ist keine Behandlung von Schulterschmerzen.
Die Schultern arbeiten auch, wenn der Rollstuhl stillsteht
Die Fachinformationen der Schweizer Paraplegiker-Gruppe weisen auf die Belastung der Schultern bei Transfers hin und darauf, wie wichtig die Art ihrer Ausführung ist. [1] Wer beim Umsetzen mit den Armen arbeitet, für den ist es deshalb sinnvoll, auch die Vorbereitung und das Ankommen zu beschreiben. Eine neue Schwierigkeit sollten Sie den Fachleuten melden, die Ihre Mobilität begleiten, statt einfach eine allgemeine Technik nachzuahmen.
Um das Gespräch vorzubereiten, beschränken Sie sich nicht auf die Aussage „Abends bin ich müde“. Sie können beschreiben, wann das Problem spürbar wird: während Sie den Transfer vorbereiten, in der Bewegung selbst, nachdem Sie sich zurechtgesetzt haben oder erst auf dem Rückweg. Sie müssen die Bewegung nicht wiederholen, um den Schmerz zu beweisen.
Nicht jeder, der einen Rollstuhl nutzt, führt dieselben Bewegungen aus oder hat dieselbe Kontrolle über Rumpf, Hände und Arme. Dieser Ratgeber richtet sich vor allem an Menschen, die beim Umsetzen die Arme einsetzen, selbstständig oder mit Unterstützung. Für Menschen, die mit einem Patientenlifter umgesetzt werden, ist die praktische Ausgangslage eine andere; sie sollte mit den beteiligten Ansprechpersonen besprochen werden.
Gehen Sie vom Grund des Transfers aus, nicht von der Anzahl
Ein Transfer kann es Ihnen ermöglichen, ins Bett zu gehen, die Körperpflege zu erledigen, zu arbeiten oder an einer Aktivität teilzunehmen, die Sie sich wünschen. Ihn nur deshalb als „überflüssig“ zu bezeichnen, weil er anstrengend ist, wird seinem Wert nicht gerecht.
Andere Sitzwechsel entstehen aus einer unklaren Organisation. Wechseln Sie, weil Sie eine andere Fläche nutzen müssen, oder nur, weil der Sitz, auf dem Sie sich befinden, nicht in das Zimmer gelangt? Wählen Sie den Platz, der am besten zur Aktivität passt, oder den, der gerade frei geblieben ist?
Hilfreich ist die Unterscheidung zwischen Transfers mit einem notwendigen Zweck, Transfers, die wegen eines konkreten Nutzens gewählt werden, und Transfers, die besprochen werden sollten, weil unklar ist, was sie bringen. Es geht nicht darum, eine Note zu vergeben, sondern darum, den Grund sichtbar zu machen.
Der Vergleich der unterschiedlichen Aufgaben von Rollstuhl und Sessel hilft, diese Aufteilung zu klären. Hier suchen wir keinen Sieger unter den Sitzgelegenheiten, sondern die Momente im Tagesablauf, in denen sich eine zusätzliche Frage lohnt.
Hin- und Rückweg sind zwei verschiedene Transfers
„Ich schaffe es in den Sessel“ ist nur die halbe Information. Fragen Sie sich auch, wie Sie in den Rollstuhl zurückkommen, zu welcher Uhrzeit und unter welchen Bedingungen. Der Rückweg kann nach anderen Aktivitäten stattfinden, wenn eine andere Unterstützung verfügbar ist oder wenn sich die Einrichtung des Raums verändert hat.
Auch die Richtung spielt bei der Beschreibung eine Rolle: Ein Höhenunterschied, der auf dem Hinweg nach unten überwunden wird, muss auf dem Rückweg nach oben bewältigt werden. Das ist ein konkreter Unterschied, den Sie der Fachkraft mitteilen sollten – keine Aufforderung, eigenmächtig eine andere Höhe zu wählen. Schildern Sie die beiden Transfers getrennt und behalten Sie dabei die bereits vorgesehene Technik und Unterstützung bei.
Notieren Sie die Asymmetrien, die Ihnen auffallen, ohne sie eigenmächtig zu korrigieren. „Auf dem Rückweg muss ich zwischendurch innehalten“, „die zugängliche Seite wechselt“ oder „das zweite Umsetzen braucht mehr Versuche“ sind Beobachtungen für die Neubewertung, keine Anleitung, sich eine andere Technik auszudenken.
Um Höhen und Platzbedarf zu erfassen, ohne diesen Artikel in eine Messanleitung zu verwandeln, nutzen Sie den vertiefenden Beitrag zu den Maßen, die Sie für Transfers zu Hause erfassen sollten. Hier bleibt der Blick darauf gerichtet, was die Person bei jedem einzelnen Transfer erlebt.
Eine einfache Übersicht der Transfers, die besprochen werden sollten
Füllen Sie die Übersicht aus, indem Sie an einen gewöhnlichen Tag zurückdenken, ohne eigens etwas auszuprobieren. Sie müssen nicht jede Bewegung zählen und auch nicht auf ein perfektes Tagebuch warten, bevor Sie um Hilfe bitten. Es genügen die Situationen, die das Problem beschreiben.
| Transfer oder Situation | Was Sie notieren | Frage für die Neubewertung |
|---|---|---|
| Rollstuhl → Bett | Ziel, berichtete Schwierigkeit, übliche Hilfe | Entspricht der Transfer noch der beurteilten Vorgehensweise? |
| Bett → Rollstuhl | Unterschiede zum Hinweg | Verändert sich das Problem in dieser Richtung? |
| Rollstuhl → Sessel → Rollstuhl | Gewünschte Aktivität und Schwierigkeiten bei beiden Transfers | Bringt der zweite Sitzplatz einen konkreten Nutzen? |
| Raumwechsel | Grund für den Sitzwechsel | Muss für diese Aktivität die Fläche gewechselt werden? |
| Zurechtsetzen nach dem Transfer | Wiederholte Korrekturen oder Schwierigkeiten, Halt zu finden | Muss die Beurteilung auch das Ankommen einbeziehen? |
Neben die Zeile können Sie „Schmerz“, „Anstrengung“, „wiederholte Versuche“ oder Ihre eigenen Worte schreiben. Das sind keine Diagnosen, und sie messen nicht die mechanische Belastung der Schulter. Wenn Sie Ihrem Schmerz eine persönliche Punktzahl geben, stimmen Sie deren Verwendung mit der Fachkraft ab: Vergleichen Sie sie nicht mit frei erfundenen Grenzwerten, um zu entscheiden, ob Sie weitermachen.
Die Übersicht ist ein redaktionelles Werkzeug für das Gespräch, keine klinische Skala. Sie soll Ihnen helfen zu erklären, was geschieht, und nicht bescheinigen, dass ein Transfer sicher ist.
Neu bewerten heißt nicht, jede anstrengende Aktivität zu streichen
Schulterschmerzen lassen sich nicht allein durch einen Blick auf den Sessel erklären. Die Schweizer Paraplegiker-Forschung untersucht die Funktion der oberen Extremitäten im Zusammenhang mit der Belastung durch Aktivitäten und mit der Teilhabe nach einer Rückenmarkverletzung. [2] Berichten Sie für Ihre Beurteilung deshalb auch, was Sie vor und nach dem Transfer tun, ohne die Ursache einer einzigen Fläche zuzuschreiben.
Nehmen Sie eine persönliche Priorität mit in die Physiotherapie: „Ich möchte mich wieder mit den anderen an den Tisch setzen“ oder „Das Problem ist, abends wieder ins Bett zu kommen“. Das hilft, über eine Veränderung zu sprechen, die die Aktivität erhält, statt sie nur deshalb zu streichen, weil sie schwierig geworden ist.
Die Fachkraft kann Technik, Hilfsmittel, Sitzversorgung und Organisation im Zusammenhang beurteilen. Aufgabe dieses Ratgebers ist es nicht, an ihrer Stelle ein Rutschbrett, einen Patientenlifter oder eine neue Einstellung auszuwählen.
Vergleichen Sie den Vorschlag mit dem, was Ihnen wichtig ist. Weniger Transfers, aber längeres Warten auf Hilfe, oder ein Platz, von dem aus Sie Ihre Arbeit nicht erreichen, sind vielleicht nicht das gewünschte Ergebnis. Die Entscheidung ist im Hinblick auf die Teilhabe zu betrachten, nicht nur anhand der Zahl der Bewegungen.
Wann Sollevita in die Überlegungen einbezogen werden kann
Zu den Merkmalen des Sollevita-Pflegesessels mit Aufstehhilfe gehören die vertikale Höhenverstellung, der seitliche Zugang und Verstellmöglichkeiten für Ruhepositionen. Sie ermöglichen es, das Verhältnis zu den anderen Flächen und die an diesem Platz geplante Aktivität zu besprechen. Für sich allein bestimmen sie weder die Transfertechnik noch die Kompatibilität mit einem Hilfsmittel. [4]
Die hilfreiche Frage lautet nicht „Schützt diese Funktion die Schulter?“, sondern „Passt sie zu dem Problem, das wir festgestellt haben?“. Wird der Transfer wegen der Höhe neu bewertet, ist die tatsächliche Einstellung des Sitzes die maßgebliche Angabe. Tritt die Schwierigkeit erst nach dem Ankommen auf, kann es nötig sein, auch die Aktivität zu besprechen, die dort stattfindet.
Das manuell verschiebbare Rollfahrgestell ermöglicht es, den Sessel mit sitzender Person innerhalb der Wohnung von einer Begleitperson schieben zu lassen – im Rahmen der vorgesehenen Verwendung des Produkts. [4] Das kann relevant sein, wenn der Sitzwechsel nur dazu dient, in einen anderen Raum zu gelangen. Diese organisatorische Möglichkeit belegt nicht, dass die Schmerzen nachlassen werden.
Auch die Begleitperson ist zu berücksichtigen. Wer sich heute selbstständig im Rollstuhl fortbewegt, sollte diese Freiheit nicht für eine Lösung aufgeben, die nur darauf abzielt, Transfers zu reduzieren. Rollstuhl und Sessel können verschiedene Hilfsmittel für verschiedene Situationen bleiben.
Ein Beispiel: ins Wohnzimmer gelangen, ohne die Wahl zu verlieren
Stellen Sie sich eine Person vor, die tagsüber den Rollstuhl nutzt und sich vor dem Abendessen eine Pause im Sessel wünscht. Der Transfer hat einen Zweck: Diese Pause ist ihr persönlicher Wunsch. Die Frage ist nicht, ob er automatisch gestrichen werden sollte, sondern ob Hin- und Rückweg noch angemessen sind.
Möchte sie danach den Raum wechseln, ist zu besprechen, ob es wirklich sinnvoll ist, mit einer Begleitperson auf demselben Sitz zu bleiben. Vielleicht zieht sie das in diesem Moment vor – oder sie wählt den Rollstuhl, um sich weiterhin selbstständig zu bewegen.
Es handelt sich um ein veranschaulichendes Beispiel, nicht um einen klinischen Fall und nicht um das Versprechen, Transfers einzusparen. Es zeigt, warum dieselbe Funktion in einem Moment nützlich und in einem anderen wenig geeignet sein kann.
Außerdem sollte ein Transfer zwischen zwei Flächen nicht mit einem Positionswechsel verwechselt werden, der für die Pflege der Person notwendig ist. Die Empfehlungen zu Haut, Auflagepunkten und Positionsänderungen entfallen nicht, nur weil man im selben Sessel sitzen bleibt.
Wann Schmerzen ohne Aufschub abgeklärt werden sollten
Anhaltende oder zunehmende Schmerzen sollten Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und mit der Fachkraft besprechen, die Ihre Mobilität begleitet. Wenn sie die Art verändern, wie Sie sich umsetzen, oder Sie an gewohnten Aktivitäten hindern, warten Sie nicht erst, bis die Übersicht vollständig ist, bevor Sie um Hilfe bitten.
Nach einem Sturz oder einer Verletzung erfordern neue, starke Schmerzen oder der Verlust der Fähigkeit, den Arm zu benutzen, eine zeitnahe Abklärung. Die Hospices Civils de Lyon beschreiben zum Beispiel die posttraumatische Luxation als einen Zustand, der rasch beurteilt und behandelt werden muss. [3] Das heißt nicht, dass jeder Schmerz eine Luxation ist, sondern dass Sie nicht selbst weitere Transfers ausprobieren sollten, um das zu klären.
Überspielen Sie eine neue Schwierigkeit nicht, indem Sie immer anstrengendere Versuche wiederholen oder mit einem Familienmitglied improvisierte Handgriffe ausprobieren. Fragen Sie nach, wie Sie die notwendigen Transfers bis zur Neubewertung bewältigen können.
Das Sollevita-Team kann Fragen zum Handschalter, zu einer Funktion oder zum Platzbedarf klären. Es kann weder die Ursache der Schmerzen dem Rollstuhl zuschreiben noch festlegen, dass ein Sessel sie beheben wird. Medizinische Beurteilung und technische Beratung sollten zusammenwirken und dabei getrennt bleiben.
Quellenangaben
[1] Schweizer Paraplegiker-Gruppe – Mobilisation / Transfers (auf Französisch)
[3] Hospices Civils de Lyon – Luxation und Instabilität der Schulter (auf Französisch)
[4] Sollevita / La Castellana – Produktdokumentation
Merkmale aus der Dokumentation, die der Redaktion zur Verfügung gestellt wurde; der Link führt zur Produktseite, nicht zu einer klinischen Prüfung.
Die medizinischen Quellen stützen die genannten Grundsätze; sie empfehlen oder zertifizieren Sollevita nicht. Tabellen und Beispiele sind redaktionelle Ausarbeitungen, keine klinischen Tests oder dokumentierten Fälle.
Beurteilen Sie den Sitzplatz vom entscheidenden Transfer aus
Beschreiben Sie dem Sollevita-Team, welcher Aktivität Sie im Sessel nachgehen möchten und welchen Aspekt Sie mit der Fachkraft prüfen müssen: Höhe, seitlicher Zugang, Stützflächen oder Verschieben im Raum. So können Sie das Gespräch auf die relevanten Funktionen konzentrieren und Ihre Wünsche und Ihre Selbstständigkeit im Mittelpunkt behalten.






